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Mitteilungen aus Rat und Vorstand 

Nr. 10-2018


An die Mitglieder der Buddhistischen Gemeinschaft in der DBU,
an die Mitgliedsgemeinschaften und Delegierten


Liebe Delegierte und VertreterInnen der Mitgliedsgemeinschaften,
liebe VertreterInnen der Einzelmitglieder und liebe Einzelmitglieder,

wie ihr sicherlich wisst, hat die DBU in den letzten Wochen und Monaten verschiedene – teilweise auch „offene“ Briefe erhalten, die sich kritisch über den Umgang der DBU in Bezug auf Verstöße gegen die buddhistische Ethik durch einzelne Gemeinschaften und Personen äußern. Der Rat der DBU hat sich sehr intensiv mit diesen Schreiben und Themen beschäftigt und eine Antwort verfasst. Diese ist jetzt den Absendern der Briefe zugestellt worden.

Um auch unsere Mitgliedsgemeinschaften und Einzelmitglieder an diesem Dialog teilhaben zu lassen, schicken wir euch hiermit das Antwortschreiben zu. Kommentare, Vorschläge oder Kritik sind willkommen.

Mit freundlichem Gruß vom Vorstand und Rat der DBU



Liebe Verfasserinnen und Verfasser des offenen Briefes und der anderen Zuschriften,

vielen Dank für eure Nachrichten, Anregungen und Forderungen zum Themenkomplex „Buddhistische Ethik und Umgang mit Gemeinschaften und Einzelpersonen, die gegen diese verstoßen“. Wir antworten euch im Folgenden gemeinsam, damit wir eine Grundlage für den weiteren Diskussions- und Entwicklungsprozess der DBU haben.

Wir betrachten Euer leidenschaftliches Engagement als ein gutes Zeichen für die Lebendigkeit innerhalb der DBU und für die Dringlichkeit, mit der die Funktionsweisen der DBU und ihrer Gremien weiterentwickelt und verändert werden müssen.

Insbesondere geht uns die Kritik nahe, der Rat sei unfähig, sich zu strittigen Themen zu äußern und pflege eine teilweise unkritische Nähe zu Mitgliedsgemeinschaften, die wegen strittiger und unethischer Handlungen und Äußerungen in der öffentlichen Kritik stehen. Dazu und zu anderen Punkten möchten wir im Folgenden Stellung nehmen.



1. Distanzierung von Rassismus, religiöser Intoleranz, sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch

Obwohl in allen bekannt gewordenen Fällen Stellungnahmen des Rates veröffentlicht wurden (s. Anhang unten), geschah das aus Sicht von Mitgliedern oder auch der Öffentlichkeit zu zögerlich bzw. nicht zeitnah genug. In der Tat! Die an sich gute Idee, Entscheidungen im Rat gemeinsam zu treffen sowie Vorgehensweisen und Texte mit allen elf ehrenamtlich arbeitenden Räten zu entwickeln, verkehrt sich in unserer heutigen schnelllebigen Zeit in ihr Gegenteil und wird zu einer Bremse.

Nach unserem Verständnis hat der Vorstand in diesem Prozess keine Befugnis, an der Gesamtheit des Rates vorbei zu handeln, um dies zu beschleunigen, da die Satzung eine Konsensbildung aller elf Vertreter einfordert. Der Rat hat sich am 08.09.2018 eine Geschäftsordnung gegeben mit der Absicht, diese strukturellen Probleme besser zu bewältigen.

Der Kerninhalt unserer sämtlichen Stellungnahmen ist unsere dezidierte Ablehnung aller Äußerungen und Taten, die im Widerspruch zu ethischen Werten stehen, die ihren Ausdruck im gemeinsamen buddhistischen Bekenntnis, dem Leitbild der DBU sowie in den grundlegenden Gesetzestexten Deutschlands und der internationalen Völkergemeinschaft stehen.



2. Konkrete Maßnahmen für Betroffene bzw. Opfer von sexualisierter Gewalt und/oder körperlicher und verbaler Gewalt im Kontext buddhistischer Gruppen 
– 
national oder international

Der DBU wird vorgeworfen, bisher nichts oder zu wenig getan zu haben, um Missbrauchsopfern zu helfen. Vor dem Jahr 2017 waren konkrete Fälle nicht an die DBU herangetragen worden. Erst mit dem Fall Genpo Döring ist klar geworden, dass auf diesem Feld akuter Handlungsbedarf besteht. Wenig später ist der Fall Sogyal Lakar bekannt geworden. Der Rat hat sich unter dem Eindruck dieser Geschehnisse noch im selben Jahr 2017 intensiv damit beschäftigt, was die DBU tun kann, um einerseits Geschädigte aufzufangen und andererseits solche Vorkommnisse nach Möglichkeit zu verhindern.

Bei der Betrachtung unterschiedlicher Modelle haben wir uns entschieden, von Seiten der DBU eine Ansprechstelle einzurichten, an die sich Opfer außerhalb ihrer Mitgliedsgemeinschaften wenden können. Noch vor der Mitgliederversammlung 2018 haben wir durch eine entsprechende Umfrage eine Liste von Personen zusammengestellt, die über die erforderlichen Qualifikationen verfügen. Auch die DBU-AG Ethik hat Ansprechpartner vorgeschlagen. Drei dieser Personen werden gemäß dem Beschluss der MV 2018 in Kürze bis zu einer endgültigen Festlegung der Ombudspersonen ihre kommissarische Tätigkeit aufnehmen. Auf der DBU-Webseite und der Webseite der Buddhismus aktuell werden die entsprechenden Kontaktinformationen veröffentlicht.

Die Frage, wie Prävention in den Mitgliedsgemeinschaften der DBU betrieben werden kann, können und wollen wir nicht vom Rat aus vorgeben und haben sie daher in die Hände der Mitgliederversammlung gelegt. Die AG Ethik, an der sich auch Ratsmitglieder beteiligen, wird sich mit diesem Thema eingehend befassen und der Mitgliederversammlung Vorschläge unterbreiten. Ein solches Projekt ist auf die Mitarbeit der Gemeinschaften und auf Personen mit Fachkompetenz angewiesen, die bereit sind, sich der Aufgabe und der Menschen anzunehmen und sich dauerhaft zu engagieren.

Auf der letzten MV wurde der Beschlussantrag des Rates angenommen, die AG Ethik wiederzubeleben. Wir haben nun die berechtigte Hoffnung, dass es uns gelingt, ein Projektteam zu bilden, Strukturen aufzubauen, Routinen zu definieren, Verantwortungen festzulegen etc. Der Rat wird diesen Prozess, soweit es ihm möglich ist, finanziell, logistisch und kommunikativ unterstützen. Die ersten Schritte hierzu wurden bereits unternommen. Uns allen muss dabei bewusst sein, dass sich solch eine Aufgabe allein durch ehrenamtliches Engagement nicht professionell und kontinuierlich bewältigen lässt.



3. Umgang mit Mitgliedsorganisationen und Einzelpersonen, die wegen unethischer Rede und unethischer Handlungen auffällig werden.

Die Verfahrensweisen gegenüber einzelnen Gemeinschaften (Abmahnungen usw.) müssen zunächst von der MV abgestimmt und in der Satzung verankert werden, bevor solche Instrumente verfügbar sind und von Rat oder Vorstand eingesetzt werden können. Die notwendigen Maßnahmen werden vom Rat aktiv vorangetrieben.

Der Rat steht zu der Auffassung, dass die Mitglieder einer Gemeinschaft nicht pauschal für das Verhalten eines ihrer Lehrer verantwortlich gemacht werden können. Ebenso wie die Opfer brauchen auch die Schüler dieser Lehrer in solchen Situationen gleichermaßen Unterstützung.

Den Verantwortlichen in diesen Gemeinschaften soll eine kritische Begleitung durch den Rat der DBU auch eine Möglichkeit bieten, Missstände aus anderer Perspektive wahrzunehmen und frühzeitig in der eigenen Gemeinschaft dagegen vorgehen zu können, statt sich mitverantwortlich zu machen.

Selbstverständlich sieht die Satzung auch die Möglichkeit vor, dass eine Gemeinschaft aus der DBU ausgeschlossen werden kann, wenn sie gegen die Interessen des Verbandes handelt. Dies kann jedoch nur der letzte Schritt sein, wenn andere Instrumente nichts bewirkt haben und eine Gemeinschaft solche Vorkommnisse nicht aufklärt, nicht dazu Stellung nimmt, keine Abhilfe schafft oder sich nicht von Äußerungen ihrer Lehrer distanziert, die klar festgestellt wurden und nicht hinnehmbar sind. Maßnahmen wie das Ruhenlassen einer Mitgliedschaft oder der Ausschluss einer Gemeinschaft oder einzelner Mitglieder aus der DBU müssen durch die Mitgliederversammlung herbeigeführt werden. Der Rat wird in solchen Fällen einen entsprechenden Antrag vorbereiten und der MV zur Abstimmung empfehlen. Darüber hinaus können Anträge von jeder Mitgliedsgemeinschaft durch ihre Delegierten oder durch die Vertreter der Einzelmitglieder eingebracht werden.

Ob der Ausschluss einer Gemeinschaft zu einer Verbesserung der kritisierten Missstände führt oder ob eher eine kritische Begleitung innerhalb der DBU erfolgversprechend ist, muss im konkreten Fall diskutiert werden. Diese Entscheidung obliegt satzungsgemäß der Mitgliederversammlung.

Zum Umgang mit den aktuellen und konkreten Fällen bieten wir euch und anderen Interessierten ein round table Gespräch an, zu dem wir euch in Kürze einladen. Zu diesem schwierigen Thema möchten wir mit euch in Zukunft im permanenten Austausch sein, um letztlich den unterschiedlichen Interessen und Gesichtspunkten Raum zu geben und nach Möglichkeit einen breiten Konsens über die Möglichkeiten des Umgangs und der Vorgehensweisen zu erreichen. Wir halten es für wichtig, Regelungen anzustreben, die langfristig Bestand haben und den Gegebenheiten angepasst werden können. Daher würden wir uns sehr freuen, wenn eine rege Beteiligung zustande kommt.



4. Transparenz bei der Diskussion und im Umgang mit den strittigen Themen

Dem Rat der DBU wird vorgeworfen, in der Vergangenheit häufig zu wenig Transparenz bzgl. ihrer Themen, Diskussionen und Entscheidungen gezeigt zu haben. Das ist leider richtig. Die Tatsache, dass keine Protokolle der Ratssitzungen zur Verfügung gestellt wurden und dass es unerwünscht war, Inhalte aus den Sitzungen mit ratsfremden Personen zu besprechen, haben zu Intransparenz geführt. Begründet wurde dies mit der Notwendigkeit der vertraulichen Rede und der Vermeidung der Verbreitung von nicht abschließend behandelten Themen. Teilweise werden auch Personalangelegenheiten und andere Sachverhalte besprochen, die dem Datenschutz unterliegen. Gleichwohl sind die Ergebnisse der Ratsarbeit immer dadurch offenkundig geworden, dass ihre Ergebnisse in die Mitgliederversammlungen eingebracht wurden.

Der Rat hat beschlossen, zukünftig für erheblich mehr Transparenz zu sorgen. Protokolle werden zeitnah zur Verfügung gestellt und Besprochenes kann auch weitergegeben werden. Ausgenommen sind selbstverständlich Dinge, die mit ausdrücklicher Bitte um Vertraulichkeit an den Rat herangetragen werden oder z. B. Personalangelegenheiten. Seit der letzten MV ist bei allen Ratssitzungen ein Delegierter der Einzelmitglieder dabei, um die Transparenz und Kommunikation mit den Einzelmitgliedern zu verbessern.

Wichtige Themen, wie z. B. derzeit die Ethik-Debatte, sollen nach Auffassung des Rates quer durch die DBU geführt werden. Dafür ist es nötig, dass alle miteinander in einem transparenten Prozess kommunizieren. Wir sind dabei, geeignete zusätzliche Wege der Kommunikation zu schaffen.

Es gibt noch viel mehr zu diesen Themen zu sagen. Aber das wollen wir – wie soeben angedeutet – in einer breit geführten Diskussion tun. Wir als Räte sind dazu bereit und werden gemeinsam mit den Mitgliedern der beschlossenen Arbeitsgruppen „AG Ethik“ und „AG Struktur“ Vorschläge unterbreiten, wie das auf nachhaltige Weise geschehen kann.



5. Männerdominanz im Rat

Es ist seit vielen Ratsperioden der Wunsch des Rates, die Beteiligung von Frauen deutlich zu erhöhen. Der Rat bittet daher ausdrücklich auch die Unterzeichnerinnen der offenen Briefe und all jene Frauen, die sich durch ihre Mitgliedschaft bereits der DBU verbunden fühlen, eine Kandidatur für die Ratsarbeit ernsthaft in Erwägung zu ziehen.



6. Ausblick

Wir hoffen sehr, dass wir mit diesem Schreiben die wichtigsten Punkte beantworten konnten und wünschen uns, dass wir die zurecht angesprochenen Probleme gemeinsam lösen können. Der Rat der DBU wünscht sich, dass das in den Schreiben sichtbar gewordene große Engagement und die damit verbundenen Kompetenzen in die Umsetzung der notwendigen Wandlungsprozesse eingebracht werden.

Der Rat wird die Mitglieder der DBU über den Fortgang der Maßnahmen, die der Veränderung und Verbesserung der Umgangskultur, der Einhaltung unserer ethischen Grundsätze und der Verbesserung der Außenwirkung der DBU dienen, regelmäßig berichten. Auch der Fortgang und die Entwicklung der Prozesse innerhalb der AG Ethik und der AG Struktur werden Gegenstand der Berichte sein.

Im Interesse aller Buddhistinnen und Buddhisten in Deutschland bitten wir euch, der DBU auch weiterhin eure Unterstützung zukommen zu lassen. Die DBU besteht seit über 60 Jahren und verdient, erhalten und weiterentwickelt zu werden. Dafür wollen wir uns mit euch gemeinsam und mit allen, denen die DBU am Herzen liegt, mit aller Kraft einsetzen.


Mit sehr herzlichem Gruß,

der Vorstand und der Rat der DBU



Anhang – Liste bisheriger Stellungnahmen der DBU

Zum Fall Genpo Döring ist die Stellungnahme des Rates vom 25.07.2017 in der Vereinszeitschrift der DBU Buddhismus aktuell öffentlich abgegeben. Siehe: www.buddhismus-deutschland.de/stellungnahme-des-rates-der-dbu-zum-missbrauchsfall-genpo-doering/

Auf Beschluss des Rates wurde die Auszeichnung Genpo Dörings als Ehrenrat bereits bei Bekanntwerden der Vorwürfe im Oktober 2016 aufgehoben.


Zum Fall Sogyal Lakar ist die Stellungnahme des Rates auf der Webseite der DBU zu finden: 
www.buddhismus-deutschland.de/stellungnahme-des-rates-der-dbu-zu-den-anschuldigungen-gegen-sogyal-rinpoche/

Von der DBU-Zeitschrift Buddhismus aktuell wurde die Stellungnahme des Rates in der folgenden Ausgabe abgedruckt. Online wurde sie auf der Webseite der Buddhismus aktuell veröffentlicht unter: buddhismus-aktuell.de/diskussionen/debatte-um-sogyal-rinpoche/dokument-12-stellungnahme-des-rates-der-dbu-zu-den-anschuldigungen-gegen-sogyal-rinpoche.html

Der gesamte Vorgang zu Sogyal Lakar wurde in Form von 13 Dokumenten auf der Webseite der Buddhismus aktuell publiziert unter: buddhismus-aktuell.de/diskussionen/debatte-um-sogyal-rinpoche.html

Vorbehaltlich der Bestätigung dieser Vorwürfe hat der Rat die DBU-Mitgliedsgemeinschaft Rigpa zudem aufgefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen um sicherzustellen, dass machtmissbräuchliches Verhalten in all seinen Formen innerhalb der Gemeinschaft unterbunden wird.


Im Januar 2018 hat sich der Rat der DBU der Stellungnahme der Europäischen Buddhistischen Union zur Gewaltausübung in Myanmar angeschlossen und diese veröffentlicht, siehe www.buddhismus-deutschland.de/stellungnahme-zu-den-ereignissen-in-myanmar/


Zu den Vorwürfen gegen Ole Nydahl und den Buddhistischen Dachverband Diamantweg (BDD) ist unsere kürzliche Stellungnahme ebenfalls auf der Webseite der DBU zu finden: www.buddhismus-deutschland.de/stellungnahme-des-rates-der-deutschen-buddhistischen-union-zu-den-berichteten-neuen-aeusserungen-von-lama-ole-nydahl/




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